Da unsere Vorfahren im Laufe der Zeit viele Götter anbeteten (darunter auch viele Stammes-, Sippen- und Familiengottheiten) kann hier nur auf die wichtigsten gemeingermanischen Götter eingegangen werden. Die Reihenfolge der hier aufgelisteten Götter hat nichts mit ihrer Wertigkeit zu tun, sondern soll lediglich eine systematische Auflistung darstellen. Die Götter teilen sich in zwei Familien: Die kriegerischen Asen, und die naturgöttlichen Wanen.
Die Asen
Asen (nord. Æsir, v. ass „Pfahl, Balken”). In den Liedern der nordischen Edda sind die Asen das bestimmende und größere der beiden Göttergeschlechter. Sie sind überwiegend Kriegsgötter.
Gebräuchliche Bezeichnungen für die Asen sind Rater (Völuspá, 9 u. ö.), Schlachtgötter (sigtíva, Völ., 41) oder Walgötter (Hymiskvida, 1 u. ö.).
Bei SNORRI werden die Asen ausführlich beschrieben. Er nennt Odin als ältesten und vornehmsten der Asen, Thor, Baldur, Niördr, dessen Sohn Freyr, Tyr, Bragi, Heimdall, Hoedur, Widar, Wali, Uller, Forseti und Loki (Gylfaginning, 20-33).
Asinnen sind Frigg, Saga, Eir, Gefion, Fulla, Freyja, Siöfn, Lofn, Wara, Syn, Hlin, Snotra und Gna, außerdem Sol und Bil (ebd., 35). Obwohl man nicht immer all diese Götter als Asen bezeichnet.
Die Asen sind, wie die Menschen, der Zeit unterworfen. Sie altern und müssen daher von den goldenen Äpfeln der Idun essen, um ihre Jugend zu erhalten. Ihr Wohnsitz ist die Himmelsburg Asgard. Der Zauber der Asen wird Galdr genannt.
Ihre Herrschaft über die Welt errangen die Asen im ersten Krieg, dem Götterkampf zwischen Asen und Vanen. Keine der Parteien konnte aber gewinnen. Nach dem Friedensschluß übergeben sie denen als Pfand Hoenir und Mimir, umgekehrt gelangen der Meergott Njörd und seine Kinder Freyr und Freya zu ihnen nach Asgard.
In der Edda wird berichtet, wie Odin und seine Brüder Hönir und Lodur die ersten Menschen Ask und Embla erschufen (Völuspá, 11f.).
Als älteste Darstellung der Asen gelten geschnitzte Pfähle.
Ursprünglich wurden die Asen als Luftgeister verehrt, die Seelen Verstorbener waren. Erst mit der zunehmenden Verehrung Odins als Anführer des Totenheeres wurden die Asen ein Göttergeschlecht neben den Vanen. Die hohe Bewertung der Asen ist demnach die jüngste mythologische Schicht.
Der Name „Asen” rührt nach mancher Auffassung von „Asien” her. Demnach hätten die aus Asien eindringenden indogermanischen Stämme die eingesessenen Völker Europas besiegt, der Vanenglaube der Unterlegenen verschmolz daraufhin mit dem Asenglauben der Sieger zur germanischen Religion. Als Beleg für ein solches Geschehen wird der in der Edda geschilderte Asen-Vanen-Krieg angegeben (Edda, Völuspá, 14f.).
Die Asen und Wanen werden gemeinsam bei Ragnarök (Götterdämmerung) gegen die bösen Mächte bekämpfen und ihren Untergang finden.
Baldur – Gott des Lichts
Baldur (Baldr, Balder, nord. „Leuchtender“, „Strahlende“) ist ein Lichtgott, Gott der Reinheit, Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit. Er ist Gott des Frühlings und durch sein Schicksal sterbender und auferstehender Gott. Balder ist ein Feind allen Unrechts. Baldur heißt auch der „leuchtende Gott“.
Der jung und schön dargestellte Balder ist Sohn des Asen Odin und der Frigg. Sein Zwillingsbruder ist Hödur sein anderer Bruder ist Hermod. Balders Gattin ist die Nanna, mit der er Vater des Forseti ist, den Gott der Gerechtigkeit. Zugleich ist er mit ihr aber Vater der Göttin Foseta.
Baldur wird die Sonnenrune Sowilo zugesprochen.
Balder hat sich im befriedeten Bezirk Breidablick (Breitglanz) seine Wohnung errichtet (Edda, Grimnismal, 12).
Balders lange blonde Haare galten als die wärmenden Strahlen der Sommersonne. Er ist der Sanftmütigste aller Götter und ist von allen Göttern der beliebteste in den nordischen Sagen.
Für alle unverständlich quälen Balder schlimme Alpträume. Um deren Ursache zu erforschen reitet Odin auf Sleipnir zur Hel. Im Totenreich sieht er Balders Empfang bereits vorbereitet, eine Seherin offenbart ihm, daß Balder bald von seinem Bruder Hödur getötet würde. Als Gegenmaßnahme nahm die Frigg allem (Lebewesen,Pflanzen und auch Steinen) in der Welt das Versprechen ab, dem Balder kein Leid zu tun. Dabei überging Frigg allerdings die Mistel – ein Umstand der dem Loki bekannt war.
Bei einer Thingversammlung der Asen schießen die zum Spaß auf Balder, um dessen Unverwundbarkeit zu testen. Aber Loki fertigte einen Pfeil aus den Zweigen der Mistel und gab ihn dem blinden Hödur, der damit ahnungslos auf Balder schießt und ihn tötet.
Dieser Moment bedeutet den Anfang des Endes der Welt, da mit Baldurs Tod alles Schöne und Friedliche von der Welt verschwand.
Mit ihm stirbt auch seine Gattin Nanna, weil ihr das Herz zerspringt. Auf dem Schiff Hringhorni, sollten Balder und Nanna bestattet werden.
Eine Riesin sollte das Schiff in Wasser schieben aber bei ihren ersten Ruck schlugen aus den Walzen funken und der Strand bebte. Thor sah das als Entweihung der Trauerfeier an und wollte der Riesin den Kopf einschlagen aber die andern Asen beruhigten ihn. Als das Bot zuwasser gelassen wurde legte man Baldur und Nanna darauf. Odin legte erschüttert seinen Ring Draupnir mit auf das Schiff. Dann wurde das Feuer entzündet.
Thor stand neben den Schiff, hob seinen Hammer und weihte den Scheiterhaufen. Dan lief ihm der Zwerg Litr zwischen die Beine. Thor meinte, der Wicht hätte die Bestattung gestört, und stieß ihn mit dem Fuß ins Feuer. Danach gab er dem Schiff einen Schlag, dass es aufs offene Meer hinaustrieb. Nach anderen Überlieferungen heißt es, dass Thor den Zwerg Litr auf das Boot schlug als dieser es mit Mjöllnir antrieb, weil der Zwerg ihm einfach vor den Hammer lief.
Die Asen senden Hermod nach Hel. Die Todesgöttin bescheidet ihm, nur wenn alle Wesen um ihn trauerten dürfte Balder aus dem Reich der Hel wiederkehren. Das scheint nicht unmöglich, denn Balder war allseits beliebt. Darauf hin weinten alle, sogar die Metalle und Steine. Aber die Riesin Thökk vergoß keine Träne und Balder musste im Totenreich bleiben (Edda, Strophe der Thökk). Sie meinte, dass Hel behalten sollte, was ihr gehört. Diese Riesin Thökk war niemand anderes als Loki selbst. Aber Hermod kehrt nicht mit leeren Händen zurück, er bringt Odins Ring Draupnir wieder nach Asgard.
Erst nach Ragnarök werden Balder und Hödur versöhnt wiederkehren und die neue, gereinigte Welt in Eintracht beherrschen.
Das Grab des Balder wurde in Dänemark gezeigt.
KUHN schloss über Vergleiche des Namens Balders und einer Balo genannten südgermanischen Gottheit, deren Name Feuer oder Scheiterhaufen bedeutet (altnord. bâl), daß Balder gleich dem nebst ihm im Merseburger Zauberspruch genannten Phol sei. Balo, den eine Sage als Teufel bezeichnet, sei der Blitz, den der Donner Donar verfolgt. Der Gott des Christentums stürzte den Teufel Luzifer aus dem Himmel, der griechische Zeus den Hephaistos. Beide Gestürzten hinkten hernach (Teufel mit Pferdefuß) und der Merseburger Zauberspruch berichtet vom Balder, dessen Pferd lahm wurde – lahmende, also dreibeinige Tiere – sind gemeinhin des Teufels. Dem Hinken ähnlich ist Einäugigkeit. Ein einäugiger Hecht weist auf den Loki, Loki wurde vom Donnerer Thor verjagt (Edda, Lokis Zankreden). Während der nordische Balder der reine Lichtgott ist, tritt das vernichtende Element des Feuers in seinem Widersacher Loki zutage (KUHN/SCHWARZ (1983), Vorw. XXVI).
Bragi – Gott der Dicht- /Redekunst
Bragi (Bragr, Braga, nord. „der Vornehmste, Häuptling, Fürst”, „Dichtung”) ist einer der Asen und Gott der Dichtkunst und Redekunst. Er ist ein Sohn Odins und der Riesin Gunnlod. Nach ihm ist die Poesie bragr benannt. Gedacht ist er alt mit langem Bart.
Seine Gattin ist die Göttin der ewigen Jugend, Iduna.
Sein graues Haar und sein langer Bart umfließen seinen Körper, die Schwingungen der Musik und der Lieder nachahmend, die er darstellt.
Bragi, der erste aller Skalden (Edda, Grimnirlied 44), wurde unter die Götter versetzt. In seine Zunge soll Idun (oder Odin?) die Runen geritzt haben und Odin hat ihn damit beauftragte Bragi, Lieder zu Ehren der Götter und der toten Helden in Walhall zu komponieren. Das machte ihn zu einem berühmten Weisen, Dichter und Redner.
Wenn in Walhall die Einherier einziehen, begrüßt Bragi sie zusammen mit Hermod.
Beim Gastmahl in der Halle Ägirs, das die Götter nach Balders Tod abhalten, erscheint Loki, um seine Schmähreden gegen die Götter zu halten. Eines der ersten Opfer ist Bragi, dem der Spötter mangelnden Heldenmut vorhält. Der Dichtergott wehrt sich nur schlaff und meint, wäre die Halle kein befriedeter Bezirk, er wolle dem Loki schon sein Haupt abtrennen. Der aber bezeichnet ihn unbeeindruckt als „Bankzierde” und wendet sich den anderen zu (Edda, Lokis Zankreden).
Es wird vermutet, dass Bragi erst sehr spät in das germanische Pantheon aufgenommen wurde. Es kann sein, dass ein Dichter zur Gottheit erhoben wurde, da die Dichter oft höheren Stellenwert als Könige hatten.
Als Gott der Dichtkunst erscheint Bragi im 12./13. Jahrhundert bei Snorri. Die Gestalt ist womöglich eine Vergöttlichung des ältesten namentlich bezeugte Skalden Bragi Boddason, Sohn des Boddi. Er lebte im 9. Jh. in Norwegen, entwickelte einen eigenen Strophentyp und ist Schutzpatron der Skaldendichtung.
Eir – Heilgöttin

Eir (Eira nord. „Hilfe“ oder „Gnade“) ist die Göttin der Medizin, Heilgöttin und eine Dienerin Friggas.
Ihre Aufgabe ist es, jede Krankheit, von der die Götterkönigin befallen wird, sofort zu heilen.
Auf der Erde unterrichtete sie sterbliche Frauen in der Heilkunst. Sie zeigte, welche Kräuter zum Heilen geeignet sind und wie man am besten Wunden versorgt.Wenn man ihr im Sommer Opfer bringt, kann sie einem jegliche Krankheiten nehmen.
Ihr wird die Rune Naudhiz zugesprochen.
Forseti – Gott der Gerechtigkeit

Forseti („Vorsitzender am Thing” altnord. „Vorsitzender“, fries. Fosite, auch Foseti, sächs. Firihsazi, ahd. Forsit) Forseti ist der germanische Gott des Rechts und des Gesetzes, Gott der Gerechtigkeit, Vorsitzender der Thing-Versammlung und gilt auch als Gott des Windes und des Fischfangs.
Der „gerechte Richter” Forseti gilt als Sohn des Balder und der Nanna, der Tochter Neps. Er residiert im von Gold und Silber glänzenden Saal Glitnir, gelegen in Glastheim oder auch Gladaheim. In dieser Halle, „von Gold sind die Pforten und von Silber das Saaldach” spricht er täglich Recht bei Götter und Menschen und schlichtet alle Fehden (Edda, Grimnirlied 15).
Forseti hat die Gabe der Überzeugungskunst, dass alle Frieden machten. Diejenigen, die keinen Frieden wollten, tötet er. In seiner Halle sitzt er zu Gericht und schlichtet Streitigkeiten. Er ist der höchste Richter Asgards und besitzt enorme Weisheit in Gerechtigkeitsangelegenheiten.
Forseti ist der Objektivste und der Vernünftigste der Götter.
Besondere Verehrung fand der westfriesische Gott Fosite auf der Nordseeinsel Fositesland (heute Helgoland). Hier entsprang eine Quelle, deren Wasser allenfalls schweigend geschöpft wurde, hier weidete das dem Gott geheiligte Vieh, das niemand ungestraft schlachtete. Hierin erinnert Fosite an den griechischen Helios. Homer schilderte, wie Odysseus die Insel Thrinakia des Sonnengottes Helios
erreichte, dort seine Mannschaft frevelnd dessen Rinder schlachtete und sie zur Strafe dieses Frevels alle umkamen, bis auf den Odysseus, der dieses zu verhindern versprochen hatte (Homer, Odyssee 12.320ff).
Als ein christlicher Missionar, der heilige Willibrord zwischen 690 und 714 auf die Insel kam und Fosetis Vieh bedenkenlos schlachtete, ohne daran zu sterben, vermag der wütende König der Friesen, Radbod, nicht, ihn zu töten, nur einigen von dessen Gesellen kann er ihr Ende bereiten. Allerdings hatte Radbod den Schutzherrn Willibrords, den fränkischen König Pippin zu fürchten (HERRMANN 1994, S. 224f.).
Eine zweite christliche Expedition brachte den Missionar Liudger nach Fosetesland. Bei der Anfahrt soll sich eine dunkle Wolke von der Insel verzogen haben, Heiterkeit kehrte ein und das Evangelium hielt Einzug. Selbstredend wurden alle heidnischen Götzentempel vernichtet. Seitdem soll die Insel „Heilig Land”, Hêleglend oder Helgoland, heißen (HERRMANN 1994, S. 225.).
Nach friesischer Überlieferung gab der oberste Gott, der als Thius Forsita auch als Eigenschaft des Thius aufgefasst werden kann, dem Volk Recht und Gesetz. Als das Christentum mit den Heerzügen Karls d. Gr. nach Norden vordrang, ließ der Franke die Friesen fragen, wie ihr Gesetz sei. Die Friesen beratschlagten und wählten aus ihren sieben Seelanden zwölf Asegen, (Rechtssprecher), die sie zu Karl sandten. Auch nach eingeräumten Fristen nach friesischem Recht vermochten sie keine befriedigende Auskunft zu geben, weshalb als ihr Schicksal bestimmt wurde, daß sie in führerlosem Schiff ausgesetzt würden.
Aufgrund ihrer Gebete gesellte sich den zwölfen ein dreizehnter hinzu und ruderte sie mit einer Axt an Land. Den Dürstenden schaffte er mit dem Wurf seiner Axt auf das Gras an der Küste eine Quelle, ehe er ihnen Recht und Gesetz verkündete. So sei das friesische Recht entstanden. Den Ort wo dieses geschah nannte man später Axenthove, von der Axt, und den Weg des Gottes dorthin Eeswey, den Weg des Ees, vgl. Asen (HERRMANN 1994, S. 226f.).
Fositesland
Auf der Insel Helgoland stand zu Heidenzeiten das Heiligtum eines Gottes des Namens Fosite oder Fosete, der war ein Gott der Eintracht und des Friedens. Kein unreines Tier durfte seinem Tempel nahen, und wer des Ortes Heiligkeit verletzte, mußte den Tod erleiden. Die Apostel dieses gottheiligen Landes waren Ludger und Wilibrord. Ludger schiffte, ein Kreuz in der Hand, auf die Insel zu und sang den sechzigsten Psalm. Da ward ein Rauch erblickt, der von der Insel aufstieg und hoch über sie sich ausbreitete und alsdann verschwand. Da sprach Ludger: Wisset, meine Brüder, daß dieser Dampf Satan selbst war, den nun der Herr von diesem Insellande vertrieben. Und betrat das Ufer freudig und predigte Jesum Christum. Er zerstörte den Tempel Fosetes und baute an seiner Stätte die erste Kirche. Als Wilibrord eines der Tiere schlachtete, welche um Fosetes Tempel weideten und für heilig und unverletzbar galten, glaubten die Bewohner, er werde alsbald sterben, da dies aber nicht geschah, so ließen sie sich taufen. Selbst die Seeräuber in späterer Zeit achteten dieses Land also heilig, daß sie nie etwas davon hinwegführten, ja den frommen Einsiedlern, die dort wohnten, reichten sie sogar einen Teil ihrer Beute. So ist auch bis auf den heutigen Tag alldort ein tiefer heiliger Brunnen, darinnen, dem Meeresstrande so nahe, doch süßes Wasser quillt. Daraus sind die heidnischen Bewohner des Landes getauft worden.
Frigg – Göttin der Fruchtbarkeit

Frigg (nord., „Frau, Gattin, Geliebte“, südgerman. Frija, ahd. Fria, Frea, Fricka, Frigga) ist die Göttin der Fruchtbarkeit, Liebes- und Muttergöttin, Schutzgöttin des Lebens und der Ehe, Himmelskönigin und Hochgöttin der Asen.
Wie auch der Freya ist Attribut der Frigg das Falkengewand.
Dienerinnen der Frigg sind Sygn, Vara, Eira, Hlin, Lofn und Vjofn. Aber auch ihre Schwester Fulla ist ist eine ihrer Dienerinnen, sie trägt immer ihr Schmuckkästchen und besorgt ihr Fußbekleidung. Die Gna ist Friggs Dienerin und zugleich auch ihre Botin. Gna wird von ihr gebraucht, um Unglückliche aus Gefahren zu erretten.
Frigg ist die Tochter des der Erd- und Athmosphärengöttin Fjörgynn und Schwester der Fulla. In anderen Überlieferungen ist sie die Tochter von Jörd und Odin. Sei ist Odins dritte und liebste Gemahlin. Mit Odin ist sie Mutter des Baldur, Hermod und des Hödr. Sie gilt auch manchmal als Mutter des Tyr.
Sie wohnt zum einen in Sökkvabekk („der sinkende Bach“, auch Sagas Wohnung) und zum anderen im Palast Fensal (Fensalir, „Sumpfsäle“), hierher kommen die Toten, die aus wahrer Liebe zueinander hingezogen fühlen.
Wenn Frigg mit ihrem Gatten Odin die Erde besucht, bringt sie Glück in die Häuser. Ihr besonderer Schützling war Agnar.
Frigg kennt das Schicksal aller Wesen, schweigt aber darüber.
Sie besitzt ihr Wissen um das Schicksal seit jeher, muß es sich nicht erst erwerben
wie Odin und ist ihm darin überlegen.
Frigg kann in die Zukunft sehen, weigert sich aber diese vorauszusagen. Darum mußte Odin seine ausgedehnten Reisen unternehmen, um all diese Weisheit zu gewinnen. Aufhalten kann sie das Schicksal aber so wenig wie er. Aber eigentlich kommt das Schicksal von ihr: Denn Friggs magischer Gegenstand ist die Spindel. Frigg spinnt die Fäden des Schicksals, die von den Nornen verwebt werden.
Frigg zeigt uns den Wert der Verschwiegenheit, denn sie redet auch mit Odin niemals über das, was in der Zukunft passieren wird.
Aber als sie sieht eines Tages das ihr Sohn Baldur sterben wird.
Um ihren Sohn Balder zu schützen, nötigt sie allem in der Welt das Versprechen ab, Baldur nicht zu schaden. Alles willigt ein, ob Menschen, ob Götter, ob Tiere, sogar Riesen und jeder Stein und jede Pflanze, bis auf die Mistel, die Frigg nicht gefragt hatte. Weil sie Frigg zu klein und unbedeutend vorkam. Aber durch diese starb Baldur schließlich.
Sie ist allein, unter den Göttern des Nordens in die Sterne versetzt worden. Der Gürtel des Orions heißt in Schweden „Friggs Spinrocken“ Frigg, die spinnende, die alle Fäden in der Hand hat. Sie hat ein Wagen vor dem Hunde gespannt sind. Manchmal wird sie aber auch mit Widder vor ihren Wagen gespannt dargestellt. Ihr heiliges Tier ist der Reiher.
Teilweise verschmilzt ihre Gestalt mit der Freya.
Der Freitag könnte als frijetag oder friatag (ahd. „Tag der Fria“ engl. Friday) nach ihr benannt sein.
Sie wurde der römischen Venus gleichgesetzt.
Fulla – Göttin der Fülle

Fulla (nord. „die Fülle“, Fylla, Volla). Eine jungfräuliche Göttin der Fülle, Spenderin von Segen und Reichtum, Göttin des Ackerbaus. Ihr langes blondes Haar steht für die Schönheit und Fülle von reifem Korn. Sie trägt ein Band in ihrem Haar, als Symbol für das Band einer Korngarbe.
Fulla ist Schatzhüterin der Frigg uns sie besorgt ihr Fußbekleidung (Edda, Grimnismal).
Im zweiten Merseburger Zauberspruch wird sie als Schwester der Frigg bezeichnet.
Nach J. GRIMM entspricht Fulla dem männlichen Gott Pilnitis oder Pilnitus, der bei den alten Preußen und Letten Verehrung fand. Er stellt eine Verbindung zum Vollmond dar (Deutsche Mythologie Bd. I, S. 256).
Heimdall – Wächter der Götter

Heimdall (Heimdallr, nord. „der Hellerleuchtende”, auch Iring, Rig) ist ein Schutzgott der nordischen Mythologie und Gott des morgendlichen Sonnen- und Tageslichtes. Heimdall ist Sohn von gleich neun Müttern, den Aegirstöchtern. Heimdall wohnt in den Himmelsbergen Himingbjörg (Himmelsburg), sein Vater ist Odin. Ursprünglich war er vermutlich ein allwissender Himmelsgott. Er wird auch als Widdergott bezeichnet. Ihm ist der Widder heilig (von dessen Kult sich überall im germanischen Bereich Spuren finden). Seine Gemahlin soll Modiv sein und mit ihr soll folgende Nachkommen haben Jarl, Karl und Thrall. (Quelle?)
Der Götterwart Heimdall braucht „weniger schlaf als ein Vogel, sieht bei Nacht wie bei Tag hundert meilen weit und hört das Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen.”
(GRIMM, Deutsche Mythologie, 1. Bd., 1878)
Im Munde trägt er Zähne aus Gold (darum wird er auch Hallinskidi und Gullanstanni genannt), auch der Name seines Pferdes, Gulltoppr („Goldzopf”), deutet auf dieses Material hin.
Heimdall ist wie Balder ein gütiger und lichter Gott. Er ist „Wächter der Götter”. Er hütet die himmlische Brücke des Regenbogens Bifröst. Sein Horn Gjallarhorn liegt unter Yggdrasills Wurzel bewahrt. Einst wird Heimdall durch Blasen des Gjallarhorns den Beginn von Ragnarök ankündigen.
Heimdalls erbitterter Feind ist Loki. Heimdall und Loki sind die totalen Gegensätze. Während Loki böse und hinterlistig ist, ist Heimdall gutmütig, sanft und weise. Zu Ragnarök werden die beiden Erzrivalen aufeinander treffen. Im Zweikampf werden sich beiden Götter töten.
Bis es aber soweit ist, wird Heimdall in Ruhe sein behagliches Heim Himmelsburg genießen und dort dem herrlichen Mete frönen (Edda, Grimnismal, 13).
In der Voluspa bezeichnet die Seherin Heimdall als Stammvater der Menschen.
„Gehör heisch ich
heilger Sippen,
hoher und niedrer
Heimdallsöhne:
du willst, Walvater,
dass wohl ich künde,
was alter Mären
der Menschen ich weiss.”
Edda, Voluspa, hier zit. n. F. Genzmer
Im Merkgedicht von Rig (Rigspula) ist wohl Heimdall derjenige, der die Menschen besucht und ihnen die ständische Ordnung gibt, mit Knechten, Freien, Kriegern, Weisen und dem König, siehe Rig.
„Von seinem cultus zeugen norwegische ortsnamen Heimdallarvattn, ein see in Guldbransdalen (…), und Heimdallshoug, ein berg in Nummedalen (…); beider geschieht in den altn. sagen keine meldung.”
Das Motiv eines Hornbläsers, der den letzten Kampf ankündigt, ähnelt den das Jüngste Gericht ankündigenden Engeln der christlichen Endzeit (Offb. 8,6ff.).
Hermod – Götterbote

Hermod (Hermôðr, Hermodhr, Hermodr, Hermut, Hermodur, nord.) ist ein Götterbote.
Hermod, den man „den schnellen” nannte, ist Sohn der Frigg und des Odin und Bruder von Baldur und Hödur.
Mit dem Dichter Bragi begrüßt er die in Walhall ankommenden Einherjer. Er gilt auch als Führer der Einherjer.
Als Bote der Frigg reitet er auf Odins Pferd, dem achtbeinigen Sleipnir während neun Nächten in das Totenreich der Hel, um diese zur Herausgabe des ermordeten Baldur zu bewegen. Diese Begebenheit wird auch als „Hermods Helritt“ bezeichnet.
Sein Bemühen bleibt aber vergebens weil Hel sich weigerte, Balder gehenzulassen, bevor nicht alles und jeder um ihn weinte.
Immerhin bringt er Odins Armreif zurück, den der um Balders Leichnam gelegt hatte.
Auffallend ist die namentliche und funktionale Ähnlichkeit Hermes’ mit dem griechischen Hermes und den römischen Merkur.
Hlin – Schutzgöttin

Hlin (Hlyn, Lün, altnord. „Schützerin“) ist die Göttin des Trostes und Schutzgöttin. Sie trocknet die Tränen der Trauernden und lässt ihr Schluchzen verstummen. Hlin ist sehr schön und dient auch dem Schutz der Menschen. Auch sie ist eine Dienerin Friggas. Manchmal wird sie auch selbst als Frigg bezeichnet.
Es heißt : „Wer sich in Nöten retten will, lehnt sich an” (hleinir).
Nach anderen Überlieferung ist sie eine Göttin der Tugend, Sittsamkeit und Weisheit. Sie ist klug und weiß sich zu benehmen. Sie beschützt alle tugendhaften. Ihr Name bedeutet „die Kluge“.
Hödr – blinder Gott

Hödr (nord. „Kämpfer”, Höd, Höder, Hoder, Hodur, Hod, Hödur, Hödyr) ist ein blinder Gott.
Hödur ist der Sohn Odins und der Frigg. Sein Zwillingsbruder ist Baldur und sein anderer Bruder ist Hermod.
Hödur beurteilt die Menschen nicht nach äußer Erscheinung, sondern nach inneren Werten.
Baldur wurde in einem Traum vorhergesagt das er sterben würde, daraufhin nimmt seine Mutter Frigg von allen Lebewesen, Pflanzen und Gegenständen einen Eid ab, dass nichts und niemand ihren Sohn etwas antun solle. Von allem, bis auf den Mistelzweig, weil er Frigg so unscheinbar und jämmerlich schien.
Die Götter machten sich einen Spaß daraus, mit allen möglichen Sachen auf den unverwundbaren Baldur zu werfen. Auf das Anstiften das Lokis hin, schoß Hödur unwissentlich einen tödlichen Mistelzweig auf seinen Bruder Baldur und tötet ihn. Dafür erschlägt ihn sein Halbbruder Vali und er wird ebenfalls zur Hel geschickt.
Nach Ragnarök werden Hödur und Balder wiederkommen. Versöhnt und einträchtig werden sie in Walhall freundschaftlich in der neuen Welt herrschen.
Die beiden Zwillinge Baldr und Hödr stehen für Odins Zwiespältigkeit. Baldr steht für Odins positive Charaktereigenschaften und Hödr als Odins „blinder Fleck“, also die dunkle Seite, die sich am Tod erfreut.
Idun – Göttin der ewigen Jugend

Idun (Idunn, Idhun, Iduna, Iduna, Idunna nord. „Erneuernde“, „Verjüngende“) ist die Göttin der Jugend, des Frühlings und der Fruchtbarkeit.
Idun gehört zu den Asen und ist eine Tochter des Zwerges Ivaldi.
Sie ist die Gattin des Dichtergottes Bragi (Gylfaginning, 26).
Sie besitzt und hütet in einem ganz im Westen gelegenem Apfelland mit Jungbrunnen (Brunnakr, „Brunnenfeld“) die goldenen Äpfel, von denen die Asen regelmäßig essen müssen, um bis zur Zeit von Ragnarök ewige Jugend zu behalten (Gylf., 26).
Einmal hatte der Riese Thjazi die Idun entführt. Ohne ihre Äpfel begannen die Götter zu altern, bis endlich Loki die Entführte befreite.
In SNORRIs Skaldskaparmal berichtet Bragi dem Oegir, die Asen Odin, Loki und Hönir hätten einmal auf einer Fahrt Hunger verspürt. Sie fanden eine Herde Ochsen und wollten einige davon kochen, doch wurde der Kessel nicht heiß. Da entdeckten sie über sich in einer Eiche einen Adler, der ihnen gegen Anteil Hilfe anbot. Man stimmte zu, das Fleisch kochte, doch als der Adler sich gleich die besten Stücke nahm, versetzte ihm Loki mit einer Stange einen heftigen Stoß.
Der Adler flog auf, in seinem Leib die Stange, an dessen Ende der Loki, der nun knapp über dem Boden schwebte und heftig litt. Er flehte um Frieden und schwor dem Adler, ihm für seine Freilassung die Idun zu verschaffen.
Zurück in Asgard lockte Loki Idun in einen Wald, indem er behauptete, er habe dort wunderbare Äpfel gefunden, ihre eigenen solle Idun zum Vergleich mitbringen. So geschah es, doch nun erschien der Riese Thiassi, der jener Adler war, packte die Idun und verschwand mit ihr zu seiner Wohnung Thrymheim in Jötunheim.
In Asgard begann man nun alt und grau zu werden. Es stellte sich die Verstrickung Lokis heraus und man zwang ihn, die Idun samt ihrer Äpfel herbeizuschaffen und drohten, ihn umzubringen, sofern er nicht Idun den Händen des Riesen entreiße. Er lieh sich von der Freyja ihr Falkengewand und flog damit nach Jötunheim. Zu seinem Glück war Thiassi gerade hinausgerudert und Loki konnte Idun in eine Nuß verwandeln, die er in seinen Falkenklauen gen Asgard trug. Thiassi bemerkte rasch den Verlust und folgte in seinem Adlerhemd.
In Asgard warteten die Asen bereits auf ihn. Sie hatten Hobelspäne in der Burg verstreut, und kaum dass der Falke Loki hinter den Mauern war, entzündeten sie diese, deren Flammen das Gefieder des nachfolgenden Adlers entzündeten, so dass Thiassi flugunfähig zu Boden fiel, wo ihn die Asen erschlugen. (Skaldskaparmal, 56)
Dann kehrte die Jugend wieder nach Asgard zurück.
Einen ganz ähnlichen Apfelgarten wie die Iduna kennen die Griechen als Garten der Hesperiden oder die Kelten als Avalon.
Lodur & Hoenir – Feuergott / Wassergott

Lodur (Lodurr, nord. „der Lodernde“) ist ein Feuergott, Gott der Fruchtbarkeit und Schutzgott menschlicher Gemeinschaft. Hoenir ist ein Meer- und Wassergott, Wolkengottheit, Frühlings- und Jahresgott und Herr der Schwäne. Sie gehören dem Geschlechte der Asen an, sie sind Brüder des Odin. Ihr Vater ist Bor und ihre Mutter Bestla.
Lodur (Ve) und Hoenir (Vili) erschufen zusammen mit Odin das erste Menschenpaar Askr und Embla. Odin hauchte diesen Leben ein. Lodur gab ihnen das Gehör und das blühende Aussehen aber auch die Sprache (und warmes Blut?). Hoenir gab ihnen Verstand und Gefühl
Nach dem Friedensschluß zwischen Asen und Vanen nach dem Asen-Vanen-Krieg kam Hoenir zusammen mit Mimir als Geisel zu den Vanen.
Die aber waren nicht übermäßig begeistert von ihrem neuen Mitbewohner, denn Hoenir hatte seinen klaren Verstand offensichtlich ganz den Menschen überlassen. Ständig redete der Bruder Odins immer nur das, was zuvor bereits Mimir verkündet hatte und er war unfähig, irgendeine Entscheidung zu treffen.
Irgendwann reichte es den Wanen und sie schlugen Hoenirs Vorsprecher Mimir den Kopf ab.
Möglicherweise ist Lodur als „Feuerbringer“ mit Loki identisch, denn Lodur ist auch ein Name des Loki.
Siehe auch Ve (Lodur) & Vili (Hoenir).
Lofn – Liebesgöttin

Lofn (nord. „Erlaubnis“) ist eine Göttin der ehelicher Liebe und Eintracht, die mit funkender leidenschaftlicher Liebe Menschen zusammenbrachte. Sie ist auch eine Dienerin der Frigg und zählt deshalb zu den Asen.
Ihr Wesen ist gütig und milde und sie trägt Sorge dafür, dass zwei Menschen, die einander lieben, auch (wieder) zueinander finden.
Um dass zu bewerkstelligen, hat von Odin und Frigg die Gabe und Erlaubnis erhalten, zwei liebende miteinander zu vereinen. Sogar die Liebenden, denen es verboten war.
Sie wird auch die Tröstende genannt.
Loki – Gott des Feuers und des Bösen

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt, aber bös von Gemüt und sehr unbeständig. Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.“
(Stange: jüngere Edda Str. 33, S. 282)
Loki (Lodur, Loge, Lofn, auch Loptr, nord. von logi „Feuerbringer”, „Lohe”?, „Luftgott”) Loki gilt als Sohn des Riesen Farbauti und der (Göttin?) Laufey (oder Nal) und gilt daher auch als Riese. Brüder des Loki sind Byleipt ind Belblindi. Er wurde durch die Blutsbrüderschaft mit Odin in das Geschlecht der Asen aufgenommen. Er wird manchmal auch als Odins Bruder identifiziert, was sich aus dem Namen Lodur (in Gylfaginning als Gott We bekannt) ableiten lässt.
Loki ist Gott des Feuers (Feuergott), Gott des Schabernacks, Gott des Bösen, Gott der Verwandlung, Gott der List und dämonischer Trickster, halb Gott, halb Riese, ein Gestaltenwechsler, der sich in Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder altes Weib verwandeln kann.
Als Gott der Feuers repräsentiert er dessen zwei Seiten: Die gute, helfende und die zerstörerische.
Der Name Loki wird vom nordischen logi („Lohe”) abgeleitet (BELLINGER, 1997, S. 280), was nach anderen allerdings unzutreffend ist (STANGE, 1995, S. 413). GRIMM stellte Loki zu Logi, dieser ein
plumper Riese und Naturkraft des Feuers, jener ein verführerischer Bösewicht,
der den griechischen Prometheus und Hephaistos ähnele (Deutsche Mythologie, I., S. 199f.).
Andere Ableitungen sehen einen gemeinsamen Stamm der Wörter Loki und lat. locus („Ort”). Loki sei demnach „Geist eines Ortes”, ähnlich der römischen Vorstellung vom genius loci. Auch mit dem englischen luck
(„Glück”) wird Loki in Verbindung gebracht (WALKER, 1993, S. 623).
Seine Gattin ist die Göttin Sigyn, mit der er Vater von Wali und Narvi ist, er hatte noch weitere Verhältnisse.
Mit der Riesin Angrboda („Angstmacherin”) ist Loki Vater des Wolfs Fenrir, der Schlange Midgardsomr (Jörmungand) und der Todesgöttin Hel. Den dreien Unheilen der Welt. Als Stute hat Loki den achtbeinigen Hengst Sleipnir geboren, das Reittier Odins.
Loki gilt auch als Vater des Nörfi („der Kühle”, ein Riese und Vater der Nacht Nott). Mit der Feuerriesin Glod „Glut“ zeugte er die beiden Feuerriesinnen Eimyrja „Glutasche“ und die Eisa „Asche“.
Loki ist ein listenreicher, verschlagener Gegner und Helfer der Asen. Bereits beim Bau von Asgard war er beteiligt. Er hat den Asen oft Ärger eingebracht aber er hat ihnen darüber hinaus auch oft geholfen, auch wenn er sich nur aus Schwierigkeiten raushalten wollte.
Loki besaß Schuhe, mit den er durch Luft und über Wasser gehen konnte (Skaldskaparmal, 61).
In manchen Überlieferungen heißt es, früher sei Loki mit Odin durch das Land gezogen und sie haben deshalb Blutsbrüderschaft geschlosssen und Loki zu den Asen aufgenommen. Dann soll er auch als Lodur mit Odin und seinen Bruder Hoenir (Vili) die ersten Menschen geschaffen haben und ihnen das Gehör und das blühende Aussehen gegeben haben. In vielen Überlieferungen wird Loki mit dem Bruder Odins, Lodur, gleichgestellt. Es kann durchaus sein, dass Loki Odins Bruder ist oder dass es Lodur niemals gab und in wirklich Loki war.
Von den Asen am nächsten steht ihm der Donnergott Thor, mit dem er mehrere Abenteuer erlebt hat und der ihm bei seinen Zankreden als einziger Einhalt gebieten kann.
Loki wird die Rune Dagaz zugesprochen und das Tier das im nahe steht ist die Schlange.
Bau Asgards; Sleipnir
Einst half Loki beim Bau der Götterburg Asgard mit. Dessen Baumeister hatte sich zum Lohn die Freyja ausbedungen, dazu Sonne (Sol) und Mond (Mani), sofern er den Bau bis Ende des Winters vollenden würde. Die Asen willigten unter Schwur und Zeugen ein, doch als der Baumeister mit Hilfe seines Pferdes Swadilfari tatsächlich die Frist einzuhalten schien, beriet man sich und verlangte von Loki, der zu dem Handel geraten hatte, er solle den Baumeister um seinen Lohn prellen. Loki verwandelte sich daher in eine Stute und verführte den Hengst Swadilfari, so daß Asgard doch nicht rechtzeitig fertig wurde. Frucht jener Begegnung Lokis mit dem Pferd war Sleipnir,war Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir (Gylf., 42).
Der verfluchte Hort
Einmal waren Odin, Hönir und Loki auf Ausfahrt. An einem Wasserfall tötete Loki einen Otter, der sich als Sohn des Bauern (Zwerges) Hreidmar herausstellte. Um das Wehrgeld bezahlen zu können nötigte Loki dem Zwerg Andwari dessen Gold ab. Zudem einen Ring des Zwerges, mit dessen Hilfe Andwari seinen Schatz hätte wiederherstellen können, weshalb Andwari, wegen dessen Abgabe, den Schatz verfluchte, der zwar den Asen freien Abzug sicherte, später als Nibelungenhort aber viel Leid verursachte (Lied vom Drachenhort u. Skaldskaparmal, 62).
Das Haar der Sif; Erwerb von Skidbladnir, Gungnir, Gullinborsti, Draupnir und Mjöllnir
Einmal hatte Loki der Sif, Thors Gattin, hinterlistig das Haar geschoren. Thor zürnte und zwang Loki, der Sif von den Zwergen neues Haar machen zu lassen, das wie echtes wachsen müsse. Loki begab sich darum zu den Söhnen des Dvergr Ivaldi nach Schwarzalfenheim und erhielt für die Sif goldenes Haar, dazu das Schiff Skidbladnir und den Speer Gungnir. Loki wettete mit Brock, dem Bruder des Sindri, daß dieser nicht annähernd so gute Dinge herstellen könne. Sindr legte daraufhin erst eine Schweinshaut, dann Gold und schließlich Eisen in die Esse, Brock bediente den Blasebalg. Trotzdem der während der Arbeit von einer Fliege geplagt wurde, gelang die Fertigung des Ebers Gullinborsti, des Rings Draupnirs und des Hammers Mjöllnir. Als nun Loki und Brock diese Wünscheldinge nach Asgard brachten, befand man, daß des Zwergen Gaben die besseren seien und Loki hatte seine Wette verloren. Loki konnte zwar sein Leben retten, doch nähte ihm Brock mit dem Riemen Wartari (Lippenreißer) den Mund zu (Skaldskaparmal, 61).
Entführung und Wiedergewinnung der Idun
Loki war für den Verlust und die Rückkehr der Göttin Idun und ihren Äpfeln der Jugend verantwortlich, die der Riese Thiassi entführt hatte. Auf einer Fahrt mit Odin und Hönir hatten die drei Asen Ochsen geschlachtet, doch wollte das Kochen nicht gelingen. Da kam ein gewaltiger Adler und sagte ihnen Hilfe zu, wenn er von der Mahlzeit seinen Anteil bekäme. Man willigte ein, doch Loki missfiel, daß der Adler — es war der Riese Thiassi — sich die besten Stücke sicherte. Er stieß den Adler mit einer Stange, wovon der aufflog und Loki mitschleppte. Voller Angst versprach ihm der der Listige die Idun und ihre Äpfel und half Thiassi, diese zu verschleppen. Ohne die Äpfel begannen die Asen zu altern. Nun zwangen die Asen Loki, die Idun wiederzubeschaffen. Der lieh sich von der Freyja ihr Falkengewand, flog zu Thiassi und griff sich die Idun, die er in eine Nuß verwandelt hatte. So flog Loki als Falke zurück nach Asgard, dicht gefolgt von dem Adler Thiassi, den aber die Asen in Asgard erschlugen. Nachdem die Asen Thiassi getötet hatten, verlangte dessen Tochter Skadi Buße, die unter anderem dank der List Lokis geleistet werden konnte, denn er band sich eine Ziege an die Lenden und brachte Skadi so zum Lachen (Skaldskaparmal, 56).
Loki stiehlt Freyjas Halsschmuck
Zu anderer Gelegenheit erzählte Loki dem Odin, wie die Freyja zu ihrem Halsschmuck Brisingamen gekommen war, nämlich indem sie vier Nächte mit vier Zwergen verbrachte. Das erzürnte Odin und er forderte Loki auf, den Schmuck zu beschaffen. Freyja verweigerte die Herausgabe und Loki sann auf Diebstahl. Er verwandelte sich in eine Fliege, drang damit in Freyjas Haus ein, fand sie schlafend und stach sie — nun in einen Floh verwandelt — in den Nacken. Freyja drehte sich herum, schlief weiter und Loki konnte den Verschluß öffnen. Er stach sie ein zweites Mal, worauf sich Freyja erneut umwandte und Loki ihr den gelösten Brisingamen abnehmen und zu Odin bringen konnte. Freyja mußte nun zur Wiedererlangung des Schmucks Krieg unter den Menschen entfachen (n. Titchenell, 1996, S. 209f.).
Beim Riesen Geirröd
Loki nötigte den Thor zu dessen Fahrt nach Geirrödsgard. Er selbst war aus Neugierde mit dem Falkengewand der Freyja zum Riesen Geirröd geflogen. Leichtsinnig ließ er sich von Geirröd fangen, der ihn drei Monate ohne Nahrung gefangenhielt, ehe Loki sich als Verwandelter zu erkennen gab. Nun mußte er er dem Geirröd schwören, daß er den Thor mit nach Geirrödsgard bringen werde, ohne dessen Hammer Mjöllnir und ohne den Kraftgürtel — sonst hätte Geirröd dem Loki sein Leben nicht gelassen, er brachte damit aber Thor und sich selbst in höchste Gefahr und nur durch die Hilfe der freundlichen Riesin Grid gelang die Überwindung des Geirröd und seiner Töchter Gjalp und Greip und (Skaldskaparmal, 60, siehe Thors Fahrt nach Geirrödsgard).
Auf der anderen Seite war es ebenfalls Loki, der Thor half, den Hammer Mjöllnir zurückzuerlangen.
Heimholung des Mjöllnir
Loki half dem Thor, den Hammer Mjöllnir zurückzuerlangen, als der in die Hände des Riesen Thrym gefallen war. Loki fand nämlich heraus, daß der Preis für die Herausgabe des Mjöllnir die Hand der Freyja war. Heimdall hatte die Idee, Thor solle in Freyjas Kleidern als Braut verkleidet zu Thrym gehen, Loki überredete Thor trotz dessen Bedenken dazu und mimte die Brautjungfer. Als Thrym schließlich den Hammer hervorholte, nahm Thor die Waffe und zerschmetterte alle anwesenden Riesen (Edda, Thrymlied).
Bei Utgardloki
Noch ein anderes Mal begleitete Loki den Thor, als der nach Utgard zum Utgardloki zog. Hier trat Loki gegen einen anderen namens Logi im Esswettkampf an und unterlag, wie auch Thor und Thialfi, der Knecht Thors, nicht in Wettkämpfen gegen die riesischen Mannen Utgardlokis bestehen konnten. Am Ende stellte sich alles als Blendwerk heraus (Gylfaginning, 46).
Baldurs Tod
Die Asin Frigg hatte allen Wesen, belebten wie unbelebten, den Eid abgenommen, daß niemand von ihnen jemals dem von allen geliebten Baldur ein Leid antun würde. Das missviel Loki und er verwandelte sich in ein altes Weib. In dieser Tarnung begab er sich zu Frigg und erfuhr von ihr, daß sie einzig der Mistel, die ihr zu jung erschienen war, keinen Schwur abgenommen hatte. Loki beschaffte sich einen Mistelzweig und gab ihn dem blinden Hödur, daß der damit auf den Baldur schieße, wie es die anderen Asen spaßeshalber mit Baldur machten. Hödur nahm den Mistelzweig, schoß, und Baldur fiel zum Entsetzen der Umstehenden tot zu Boden. Der Versuch des Hermod, Baldur aus dem Reich der Hel zu lösen schlug fehl, weil die Riesin Thökk um ihn nicht weinen wollte — auch dies ist ein Werk Lokis (Gylf., 49).
Lokis Zankreden und Gefangennahme
Damit nicht genug.
Beim Festgelage in der Halle des Riesen Ägir, das die Götter nach Baldurs Tod abhielten, verspottete und beleidigte Loki alle anwesenden Götter (Edda, Lokis Zankreden): Eines der ersten Opfer ist der sonst als Redner und Dichter hochgeschätzte Bragi, dem der Spötter mangelnden Heldenmut vorhält. Der Dichtergott wehrt sich nur schlaff und meint, wäre die Halle kein befriedeter Bezirk, er wolle dem Loki schon sein Haupt abtrennen. Der aber bezeichnet ihn unbeeindruckt als „Bankzierde” und wendet sich den anderen zu. Erst Thors deutlicher Hinweis auf Mjöllnir trieb Loki zum Abzug.
Aber nun reicht es den Asen und sie trachten, ihn zu fassen.
Loki floh nun in die Berge, verwandelte sich in einen Lachs und versteckte sich am Wasserfall Franangr, wo er darüber nachsann, was die Asen wohl unternehmen würden. Einmal flocht er sich aus Flachs ein Netz, stellte dann aber fest, daß die Asen ihn entdeckt hatten, denn Odin hatte ihn von seinem Hochsitz Hlidskalf aus erspäht. Rasch warf Loki das Netz ins Feuer und begab sich als Lachs verwandelt ins Wasser. Die Asen kamen hinzu und der weiseste von ihnen, Kwafir, entdeckte im Feuer die Reste des Netzes. Ein solches knüpften nun auch die Asen und fischten nach Loki, der zwar zunächst über das Netz springen konnte, dann aber von Thor gepackt werden konnte (Gylf., 50).
Lokis Gefangenschaft
Die Asen schleppten Loki in eine Höhle. Hier stellten sie drei Felsen auf, versahen sie mit Löchern und banden Loki daran fest. Als Fessel diente das Gedärm des Narwi, Lokis Sohn. Den und seinen Bruder Wali hatten die Asen ebenfalls gefangen und Wali in einen Wolf verwandelt, der darauf seinen Bruder zerriss. Loki wurde nun wie folgt gefesselt: der eine der spitzen Felsen stand ihm unter den Schultern, der andere unter den Lenden, der dritte unter den Kniegelenken, die Därme wurden zu Eisen. Überdies nahm die Skadi einen Giftwurm und befestigte ihn über Lokis Gesicht, dass dem das Gift schmerzhaft in die Augen troff. Dies soll sein böses Gewissen darstellen und ihn an seine Taten erinnern. Lokis Gattin Sigyn hielt zwar zu ihrem Gatten und fing das Gift mit einer Schale auf, doch muß diese regelmäßig geleert werden. In solchem Augenblick trifft das Gift Loki und er windet sich unter Schmerzen, wovon die ganze Erde bebend erzittert (Gylf., 50). Daher sollen die Erdbeben stammen. Loki ist nicht tot, nicht vernichtet. Das Böse ist nicht aus der Welt geschafft, sondern lebt in Lokis Kindern weiter, und sie sind nicht weniger gefahrdrohend, als er selber.
Loki führt die Riesen gen Asgard; sein Ende
Zur Götterdämmerung (Ragnarök) wird Loki wieder freikommen. Dann wird er die Toten, das Gefolge seiner Tochter Hel, zur Schlacht auf die Ebene Wigrid führen (Gylf., 51). Er soll auch das Schiff Naglfar kommandieren, das die Unholden befördern wird (Völuspa, 43). Loki selbst wird durch die Hand Heimdalls sein Ende finden und Heimdall findet den Tod durch Lokis Hand.
Gelegentlich tritt Loki als Loptr („der Luftige”, „Luftgott”) auf. Er soll auch, nach seiner Verbannung, der Utgardloki sein.
Entgegen der landläufigen Meinung, Loki brächte Zwietracht und sein Begehr sei einzig auf Chaos und Zerstörung ausgerichtet, lassen die Geschichten um ihn erkennen, dass seine Handlungen letztendlich mehr Gutes als Schlechtes bewirken, auch wenn vielleicht gegen seine ursprünglichen Intentionen. Loki wird von den anderen Göttern meist herangezogen, um aussichtslose Situationen zu retten (was er auch immer schafft) und muss auch den von ihm angerichteten Schaden immer wieder gutmachen. Loki als „böse“ oder „destruktiv“ zu bezeichnen muss als ausschließlich christliche Sichtweise erkannt werden. Da nahezu alle schriftlichen Belege über Loki aus dem Hoch- und Spätmittelalter stammen, kann nicht zweifelsfrei behauptet werden, dass Loki in der beschriebenen Weise tatsächlich ein germanischer Gott war. Es ist möglich (und wird von einigen Historikern auch so gesehen), dass Loki eine „christliche Erfindung“ ist und der germanischen Götterwelt erst lange nach deren Verdrängung durch das Christentum zugedichtet wurde.
Die Christen setzen Loki mit dem Lucifer gleich (BELLINGER, 1997, S. 280).
GRIMM befand eine Ähnlichkeit des nordischen Loki zu den griechischen Sagengestalten Prometheus und Hephaistos (Deutsche Mythologie, I., S. 200). In der Fesselung und Qual Lokis finden sich auch Parallelen zum zum Typhon.
Es sind verschiedene Redensarten und Benennungen mit Loki bekannt: in Skandinavien heißt es Loki fer yfir akra („Loki fährt über die Äcker”) oder Locke dricker vand (Loki trinkt Wasser), womit brennende Sonne und Feuer gemeint sind. Wenn die Späne (Loka spœnir) im Feuer knistern heißt es, „Loki schlägt seine Kinder”. Lokkens havre ist die Bezeichnung für das besonders unerfreuliche Unkraut (Polytrichum comm). Lokabrenna heißt der Stern Sirius (Deutsche Mythologie, I., S. 200f.).
Auf Island sagt man auch „Da ist ein Loki drin”, wenn ein Faden sich verwickelt hat (BELLINGER, 1997, S. 280).
Siehe auch Utgardloki bei Riesen.
Magni & Modi – Thors Söhne


Magni (nord. „der Starke” bzw. „Kraft”) und Modi (nord. „der Zornige” bzw. „Mut”) sind Brüder und die Söhne des Donnergottes Thor und der Riesin Jarnsaxa, als Mutter gilt auch die Sif.
Als seine Söhne sind Magni und Modi personifizierte Eigenschaften des Thor.
Magni hilft, erst drei Jahre alt, seinem Vater, als der den Hrungnir getötet hatte und selbst verwundet unter dessen schweren Körper liegt. Zum Dank erhält Magni das prächtige Pferd des Riesen, Gullfaxi. „Der Kampf mit Hrungnir”
Magnis Rune ist Uruz und die Eiche ihm heilig.
Modis Rune ist Thurisaz und die Nessel ist ihm heilig. Der Adler ist sein Schutztier. Modi soll auch ein Gott des Friedens gewesen sein.
Magni und Modi sind eine der wenigen Götter die Ragnarök überleben. Wenn nach Ragnarök eine erneuerte Welt heranbricht, werden Magni und Modi gemeinsam den Hammer Mjöllnir ihres Vaters erben und in der neuen Welt herrschen (Edda, Wafthrudnirlied, 51).
Mimir – Wächter des Weisheitsbrunnens

Mimir (Mímr, Mímir, nord. „Erinnerung”, „Weiser”) Ein nordgermanisches Weisheits- und Orakelwesen (Dämon) und weiser Riese. Mimir hütet an der zweiten der drei Wurzeln von Yggdrasill den Brunnen Mimisbrunnr.
Mimir gehört nicht zu den Asen, wird von ihnen aber ob seiner Weisheit hoch geschätzt. Möglicherweise ist Mimir eine ältere Naturgottheit, der erst später zum Waldgeist wurde und klugen Schmied wurde.
Jeden Morgen trinkt Mimir aus seinem Horn das Wasser des Brunnens, der Quelle von Weisheit und Erkenntnis ist (Edda, Völuspa, 23). Daher ist er das weiseste aller Lebewesen. Um einen Trunk aus diesem Brunnen zu erhalten, hat der Ase Odin eines seiner Augen verpfändet.
Odin besuchte Mimir, nachdem er durch sein neuntägiges Hängen am Baum Yggdrasil die Runen erworben hatte. Im Tausch gegen eines seiner Augen, das seitdem auf dem Wasser von Mimirs Brunnen schwimmt, erhielt der Gott vom Riesen auch die Weisheit, diese Runen zu deuten.
Nach Beendigung des Asen-Vanen-Krieges begab sich Mimir gemeinsam mit Hoenir zu den Vanen. Die aber schlugen Mimir das Haupt ab und sandten es zurück an die Asen. Odin bezaubert das Haupt, schützt es so vor Verwesung und erhält ihm die Sprache.
Zum Eintritt von Ragnarök wird sich Odin mit Mimirs Haupt, das unter Yggdrasils Wurzeln verwahrt liegt, beraten, aber auch sonst ist das Haupt weiser Ratgeber.
Odin – Der Göttervater

Odin (nord. Óðin, Odinn, südgermanisch Wodan, Wotan, Wuotan, Wode, heißt ahd. „Der Wütende”), Atridi („der Zureitende”); bei Langobarden Odan und Godan; nordfries. Wede, Wedke; Othan, Odon, Eovden; niederdt. Jivodan.
Er hat zahlreiche Bei- und Decknamen (Allvater, Gunnarr, Gagnrad, Har, herfadir, Harbard („Graubart”), Herjann, Herteitr, Valfadir, Walvater, Wegtam).
Er ist Hochgott der Asen, die höchste und erste Gottheit (z. B. Edda, Grimnirlied 44) der „die Götter wie Kinder dienen” (Snörri, 23), Himmelsgott, Dichtergott sowie Kriegs- und Totengott. Als Sturmgott ist er Anführer von Wuotanes her. Odin ist Gott der Runenweisheit und Schutzgott der Skalden. Aber auch Gott der Magie und der Ekstase.
Odin ist ein Sohn des Urriesenpaares Borr und Bestla und somit ein Enkel von Buri, dem Urvater der Götter. Er hat zwei Brüder, Vili und Ve (bzw. Hönir und Lodr).
Drei Höfe bewohnt Odin, den mit Silber gedeckten Walaskjalf, den „der Ase sich in Urtagen wirkte”, Kleinodbank, wo Odin mit der Saga täglich aus Goldbechern trinkt und Froheim, in der sich die goldene Walhall dehnt (Edda, Grimnirlied 6-8).
Er ist von allen nordischen Göttern einer der tragischsten und edelsten. Seine Weisheit ist unermesslich und allumfassend. Sie ermöglichte ihm, in die Zukunft zu sehen.
Odin steht als Sinnbild für den Geist des Universums, und er ist der Beschützer der Krieger, deren Herzen ehrlich und mutig sind.
Von seinem Thron Hlidskialf aus überblickt Odin die gesamten neun Welten. Um ihn kreisen die Raben Huginn („Gedanke”) und Muninn („Erinnerung”), zu seinen Füßen wachen die Wölfe Freki (der Heißhungrige) und Geri (der Gierige), sie versinnbildlichen den angeborenen Jagdinstinkt ihres Herren. Seinen Reichtum verdankt er seinem goldenen Ring Draupnir, der sich ständig vermehrt. Im Kampf verläßt er sich auf den Speer Gungnir, der nie in seinem Stoß inne hält. Er verfügt über einen Mantel, eine Helm und das achtbeinige Zauberpferd Sleipnir, das er Loki verdankt.
Odins einzige Nahrung ist „Met“ sowie täglich einen der goldenen Äpfel der Göttin Iduna.
Kenntlich ist er als Anführer von Wuotanes Her an blauem Mantel (z. B. im Grimnirlied), Hut und an seiner Einäugigkeit. Ihn begleiten seine Raben und Wölfe, seine Boten sind die Walküren, die ihm die Einherier nach Walhall holen. Diese Tapfersten der gefallenen Krieger teilt sich der Walvater mit der Freyja.
Zusammen mit seinen Brüdern, Vili und Ve, tötet er den Urriesen Ymir und erschafft aus dessen Körper die Welt und später schufen sie das erste Menschenpaar, Askr und Embla. Als Windgott gab er ihnen den Atem, die Seele und das Leben (Edda, Voluspa 17f.), Vil erfüllte sie mit Geist und Wissensdurst und Ve schenkte ihnen die Gabe der fünf Sinne.
Seine Gattin ist Frigg. Mit ihr ist er Vater von Baldur, Hödur und Hermod.
Mit der Riesin Rind Vater des Vali, mit der Jörd Vater des Thor und mit der Gridr Vater des Vidar. Heimdall erzeugte er mit den neun Töchtern des Aegir. Seine Ehefrauen sind Frigg, Fjorgyn und Rind, davon hat er aber Frigg am liebsten. Nahezu alle Götter Asgards stammen von ihm ab. Mit der Riesin Gunnlöd die den Skaldenmet bewachte zeugte er den Bragi.
Seine häufigen Reisen, durch die neun Welten, führten ihn zum Grund von Wissen und Weisheit, dabei verwendet er andere Namen (Grimnirlied 48).
Als Gagnrad zieht er zu Vafthrudnir, um mit dem einen Wettstreit um ihr Wissen zu beginnen, da ihm nach dem Urzeitwissen des Riesen gelüstet.
(Edda, Wafthrudnirlied).
Als Bölwerkr („Übelstifter”) holt er den Skaldenmet zu den Göttern. In einem anderen Lied der Edda, Baldrs draumar, nennt er sich Wegtam, Sohn des Waltam. Und als Grimnir besucht er König Geirröd, um dessen Gastfreundschaft der Menschen zu prüfen (Grimnirlied). Weitere Bei- oder Decknamen Odins sind Alvater, Gangmatt, Herrscher, Helmträger, Graubart, Har oder Heerblender, Walvater, Wunschherr und weitere (siehe ebd., 46f.).
Als Ase ist Odin wie alle dem Schicksal der Nornen unterworfen, die am Urdbrunnen an der Wurzel Yggdrasils hausen. Hier am Weltenbaum opfert er sich selbst sich selbst. Gespießt mit dem Ger hängt er neun Nächte an Yggdrasils Stamm, bis er die tiefsten Geheimnisse geschaut hat. Rufend nimmt er die Runen auf und kommt, auferstehend, vom Baum los.
Ich weiß, daß ich hing
am windigem Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.
Sie spendeten mir
nicht Speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.
Edda, Runenlehren 25 B 1-2, hier zit. n. F. Genzmer
Nun verpfändet er seinem Onkel, dem Riesen Mimir eines seiner Augen, um aus dessen Weisheitsbrunnen den Met Odrörir trinken zu dürfen (Wie viele Seher wird auch Odin mit eingeschränkter optischer Sehkraft geschildert). Mimir deutet Odin nun auf einem Berge (Edda, Runenlehren C 3) in neun Hauptliedern das Geheimnis der Runen (Edda, Runenlehren B 3).
Seit diesem Tod und magischer Auferstehung weiß Odin um sein und des gesamten Göttergeschlechts Schicksal und ist weisester der Götter (mit Ausnahme vielleicht der Frigg, die allerdings jegliche Auskunft verweigert). Er weiß um das Weltende Ragnarökr, wenn die Riesen aus Muspelheim gegen ihn ziehen und er selbst durch Lokis Sohn, den riesischen Wolf Fenrir verschlungen werden und sein Sohn Vidar ihn rächt.
Um auf diese Schlacht vorbereitet zu sein, holt er seitdem die tapfersten der auf der Walstatt (Schlachtfeld) verbliebenen Krieger, die Einherier, zu sich nach Walhall. Daß Odin sich diese Mühe macht, zeugt von einem tiefsitzenden Fatalismus, weiß er doch um das unabweislich dräuende Schicksal. So zieht er durch die Welt, besucht seine Schützlinge, sät Zwietracht und entzieht den Seinen – menschlich gedacht – im entscheidenden Moment seine Gunst, um, endlich und vergeblich, ein starkes Heer zu befehligen, das auf der Ebene Vigrid die letzte Schlacht schlagen wird.
Zum Beispiel brachte Odin dem mythischen Dänenkönig Harald Kriegsgeschick bei und führte ihn zu zahlreichen militärischen Erfolgen. Dann aber fuhr den König sein eigener Wagenlenker in den Tod. Es war dieser Lenker der Odin selbst, der Harald mit dieser Hinterlist zum Einherier machte.
Von Freyja verlangt er, zwischen zwei Königen tödlichen Haß zu säen. Es kommt zur gewünschten Schlacht und die Walküren bringen Odin reiche Ernte ein.
Odin wurde weithin verehrt, in Mitteleuropa als Wuotan.
Odin wurde „Gott der Gehängten” oder „Gott der Erschlagenen” genannt, weil dieses Motiv, daß an Odins Wissenserwerb anknüpft, eng mit seinem Kult verbunden sei. Die Berichte über die Kriegszüge der Wikinger enthalten Hinweise auf die Opferung Kriegsgefangener an Odin. Beispielsweise sollen nach der Plünderung der Stadt Nantes 842 die meisten Bewohner an Bäumen aufgehängt worden sein, was auf solchen Kult deute. Die Bäume seines heiligen Hains in Uppsala seien noch im 10. Jahrhundert voller aufgehängter Menschenopfer gewesen (div. Quellen, nach Walker 1993, S. 800).
Onsdag, der norwegischer Name für den Mittwoch, ist auf Odin zurückzuführen. Entsprechend verhält es sich mit der südgermanischen Form des Odin, Wodan, der zum Namensgeber des englischen Wednesday wurde (Wodansdag).
Odin wurde hauptsächlich von den Wikingern verehrt. Über Odin gibt es viele Sagen und Geschichten.
Meist wird nach Wotan auch die gesamte germanische Religion als Wotanismus bezeichnet.
F.G. Klopstock schrieb 1769 eine „Hymne an Wotan”.
Sif – Fruchtbarkeitsgöttin

Sif (nord. „Verwandte”, „die Frau des…”) ist die Göttin der Vegetation und des goldenen Ährenfeldes, sie ist aber auch eine Fruchtbarkeitsgöttin. Sie ist Mutter des Ull, der Gott des Winters. Der Vater des Ull ist nicht bekannt, man sagt aber auch, dass Odin der Vater sei. Sifs Vater ist auch Odin. So ist sie eine Halbschwester von Baldr und auch Thor.
Später wird Sif Gattin des Thor und mit ihm Mutter der Thrud, auch von Modi und Magni. Loki rühmt sich eines Ehebruchs mit ihr.
Ihr prächtiges goldenes Haar versinnbildlicht reifes Korn und somit Fruchtbarkeit. Als Loki ihr Haar abschnitt, war das gleichbedeutend mit dem Winter, wenn die Felder abgemäht wurden.
Nachdem Loki ihr Haar abschnitt wollte Thor ihm alle knochen brechen, doch Loki versprach ihr neues Haar zu besorgen. Er hielt das Versprechen und lies von den Zwergensöhnen Ivaldis goldenes Haar fertigen, das sofort anwuchs sobald es auf ihren Kopf war.
Skadi – Göttin des Eises und der Jagd

Skadi (Skade, nord. „Zerstörung“) ist eine nordgermanische Riesin und Berggöttin, Göttin der Jagd, des Schnees, des Eises und auch des Skilaufs. Skadi ist unter den Göttinen die Vertreterin der jagdlustigen Frauen. Sie wird als Jägerin und gute Schneeschuhläuferin gerühmt. Nach Skadi ist möglicherweise Skandinavien benannt.
Sie gilt als Tochter des Riesen Thjazi und ist zweite Gattin des Meergottes Njörd, mit dem sie in Noatun wohnt (sonst in Thrymheim, Grimnirlied 11). Mit Njörd ist Skadi die Mutter von Freyr und Freyja.
Die Götter hatten ihren Vater Thjazi getötet, weil dieser die Göttin Idun entführt und ihre Äpfel gestohlen hatte, deswegen erschien Skadi bewaffnet in Asgard, um ihn zu sühnen. Man bot ihr Gold, doch das lehnte sie ab. Lieber verlangte sie einen Ehemann und einen Sack Gelächter. Man willigte ein, sofern Skadi ihren Zukünftigen nur nach den Füßen auswählte. So geriet Skadi wegen dessen schöner Füsse an den Njörd – dabei hatte sie auf Balder gehofft.
Für das Gelächter sorgte Loki, indem er am Hoden des Njörd eine Ziege festgebunden hatte.
Skadi liebte die Berge und Njörd das Meer. So einigten sie sich, jeweils neun Nächte am Lieblingsort des anderen zu verbringen.
Leider war dies auf Dauer keine Lösung.
Sie trennten sich, und Skadi ging eine zweite Ehe mit dem Ull ein und soll
später auch mit Odin zahlreiche Nachkommen gehabt haben. Eines dieser Kinder ist Säming, der erste König Norwegens und Ahnherr der Fürsten von Halogaland.
Skadi befestigte später eine Giftschlange über dem Haupt Lokis, als die Götter ihn festgesetzt hatten.
In Schweden und Norwegen sind zahlreiche Orte in Anlehnung an ihren Namen benannt. Skadi als unermüdliche Jägerin erinnert an die Diana.
Thor – Donnergott

Thor (nord. Thor, Thórr, alts. Thunar, angels. Thunor, südgerm. Donar oder Donner; Wingthor, nord „Donerer“) ist Donner-, Gewitter-, Wetter-, Schutz- und Fruchtbarkeitsgott und für Götter wie Menschen. Er ist der Beschützer vor den Riesen Jötunn.
Thor ist der stärkste der germanischen Götter und der Bekämpfer der Riesen. Er besitzt die mächtigste Waffe überhaupt. Den Hammer Mjöllnir („Zermalmer“), mit dem er alles zerschmettern kann was ihm vor die Augen tritt. Wenn er den Hammer wirft,verfehlt dieser nie sein Ziel und kehrt stehts in Thors Hand zurück. Diese Wunderwaffe wurde von den Zwergen Sindri und Brokkr aus einem Stück Eisen geschiedet. Das Schmiedestück ging aus einer Wette Lokis hervor. Einen Nachteil hat der Hammer doch, weil Brokkr während des schmiedens den Blasebalg kurz los lies, um sich eine Fliege aus dem Gesicht zu wischen, ist der Schaft (Griff) ziemlich kurz geworden.
Andere Kleinode sind zum einen der Machtgürtel Megingjadar, der im zusätzliche Kraft verlieh.
Zum anderen trug er die Eisenhandschuhe Jarngreipr, die auch von den Zwergen Brokkr und Sindri erschaffen wurde. Es heißt, dass Thor nur mit diesen Eisenhandschuhen den Mjöllnir kontrollieren konnte.
Thor ist Sohn Odins und der Jörd, die göttlich personi fizierte Erde. Sein Bruder ist somit unter anderem der Gott Baldr. Er gilt auch als Sohn der
Erde Fjörgyn und des Odin. Er ist Gatte der Sif, mit ihr ist er Vater der Thrudr und des Lorride sowie Stiefvater des Ull.
Thor war ein dickköpfiges Kind, deshalb wurde er von den Blitzgeistern Vingir Hlora erzogen, denn seine Mutter war ihm nicht gewachsen.
Söhne des Thor sind auch das Brüderpaar Magni und Modi (Kraft und Mut), die er mit der Riesin Jarnsaxa hat. Die beiden werden ihn überleben und nach Ragnarök seinen Hammer Mjöllnir erben.
Seine Wohnstatt in Asgard heißt Thrudvangar („Land der Stärke“, „Feld der Thrud“, Thrudwanger, Thrudheim (Edda, Grimnirlied, 4), benannt nach der Erdgöttin Thrudr, die als seine Tochter genannt wird. In diesem Thrudheim steht des Gottes Palast (Bilskirnir).
Täglich watet Thor durch die Flüsse Körmt und Örmt sowie die zwei Kerlauge (?), um fern seines Wohnsitzes bei Yggdrasil seine Urteile zu fällen. Er wählt diesen Weg, weil der Regenbogen (Bifröst) in Hitze brennt (Grimnismal 29).
In fast allen Mythen über Thor wird seine unglaubliche Kraft geschildert und Mjöllnir ist stets die Voraussetzung für Thors Sieg. Thors Gestalt erinnert an einen Riesen. Er ist bärenstark und riesengroß. So groß, dass Loki sich gewöhnlich bei Reisen an Thors Gürtel heftete. Loki begleitete ihn bei vielen Reisen.
Mit den Riesen liegt Thor in ständigem Krieg.
Im Kampf besiegt Thor unter anderen die Riesen Geirröd, Hrungnir, Hymir, Skrymir, Thrivaldi, Thjazi und Thrymr.
In einem Lied der Edda überlistet Thor auch den Dvergr Alwis, der um die Hand seiner Tochter warb. Als Thor seinen Wettkampf mit ihm aufnimmt, stellt er sich ihm als Wingthor vor, Sohn des Sidgrani (Alwislied 6). Solche Decknamen werden häufig auch von Odin verwendet, Sigurd verbarg seinen wahren Namen, als er dem Fafner den tödlichen Streich versetzte. Die Idee ist wohl, dass die Kenntnis des Namens Macht über seinen Träger vermittelt (vgl. Exorzismus, Beschwörung, Namen).
Zwei Böcke, Tanngnjostr und Tanngrisnir („Zähneknisterer“ und Zähneknirscher“), ziehen Thors Himmelswagen.
Thor ist dazu bestimmt, zu Ragnarök Lokis Sohn Jörmungandr (Midgardschlange) mit seinem Hammer Mjöllnir zu töten. Doch wird auch er durch dessen Gift sein Leben lassen müssen.
Thor gehört zu den wichtigsten Asen. Wenngleich meistens Odin als Oberhaupt der Asen angesehen wird, so ist es einzig Thor, vor dem Loki in seinen Zankreden schließlich Respekt zeigt. Nach dem der alle Asen einschließlich Odin verspottet hat, tritt Thor auf. Er droht dem Spötter mit dem gefürchteten Mjöllnir, so daß Loki sicherheitshalber das Weite sucht:
57 Thor
Schweig, armer Wicht!
Dir soll mein Wuchthammer,
Mjöllnir, den Mund schließen!
Das Haupt hau ich
dir vom Halse ab
verloren ist dein Leben dann.
58-63 …
(Loki verspottet ihn und Thor wiederholt dreimal seine Drohung)
64 Loki
Ich sprach vor den Asen,
sprach vor den Asensöhnen,
was meinem Herzen behagt;
einzig vor dir
will ich abziehen,
denn mich dünkt, du schlägt drein.
Edda, Lokasenna
Legendär ist Thors Trinkvermögen, hier besungen in einem Studentenlied:

2. Dann rief er heiß von Fahrt und Strauß: Nun soll ein Schluck mich letzen! Und trank das halbe Weltmeer aus, den Riesen zum Entsetzen.
3. O Vater Thor, dich preisen wir, blick her auf deine Kinder! Hier brennt Germaniens Kamfbegier, Germaniens Durst nicht minder.
4. Doch wir sind sterblicher Natur, und heilig ist das Wasser. Das Weltmeer ist für Götter nur, wir sind nicht solche Prasser.
5. Gib gutes Jahr und guten Wein! Dann soll dein Ruhm sich mehren, wir schlagen alles kurz und klein, Allvater, dir zu Ehren.
Quelle: Allgemeines Deutsches Kommersbuch. Ursprünglich herausgegeben unter musikalischer Redaktion von Friedrich Silcher und Friedrich Erk.
100. Aufl. 1914, Moritz Schauenburg, Lahr. S. 384, Nr. 418
Er wurde vor allem von den Bauern verehrt. Diese hatten für die Krieger der Wikinger und ihren Kriegsgott Odin nicht viel übrig. Sie verehrten lieber den ehrlichen, mächtigen und umkomplizierten Thor. Insbesondere auf Island und in Norwegen war Thors Macht größer als die von Odin. Der Thor-Kult dort überstieg den Odin-Kult bei weitem!
Nach seinem germanischen Namen Donar ist der Donnerstag als donarestag (ahd. „Tag des Donar“; engl. Thursday; dän. u. schwed. Torsdag) nach dem Thor benannt.
Noch in neuerer Zeit gedenkt man seiner auch außerhelb asentreuer Religion (Asatru, besonders verbreitet auf Island): Nach Thor ist das chemische Element Thorium benannt.
Durch Kontakt der römischen mit der germanischen Kultur kam es zur Gleichsetzung des Thor mit dem Jupiter, der wie der griechische Zeus Blitz und Donner(keile) schleudert.
Die Christen sahen in ihm mit Vorliebe einen tumben Teufel.
Dem Thor steckte seit seinem Kampf gegen den Hrungnir das Stück eines von diesem Riesen geschleuderten Steins in der Stirn, das auch die Groa nicht entfernen konnte. Ähnlich erging es dem Sagenhelden Dietrich von Bern, der mit einem Pfeil verwundet worden war und dem nach der Operation ein Stück davon in der Stirn steckengeblieben war. Jakob GRIMM, der vermutete, daß ein so „gehörnter” Thor auch entsprechend dargestellt wurde, fand darin eine Ähnlichkeit zum gleichfalls gehörnten bzw. als Widder gedachten Jupiter-Ammon (Deut. Mythol., I., S. 309).
Auch mit dem griechischen Helden Herakles wurde Donar gleichgesetzt, seine Waffe ist dann statt des Hammers eine gewaltige Keule.
Auch um Thor ranken sich viele Legenden.
Tyr – Kriegsgott

Tyr (germ., nord. tivar, „Götter”, ahd. Ziu, angelsächs. Tiu, Tiv, Tiwas, Tiwaz, Ty, Teiwaz, Eru, Cyo) ist Himmels- und Kriegsgott aber auch Versammlungsgott. Er wird als einhändiger Gott vorgestellt.
Tyr war einst Hochgott der Germanen und Schutzgott der Rechte des Things und war ursprünglich ein Vane. Später als sich der Odinkult weiter verbreitete wurde Tyr abgelöst und allmählich zu den Asen gezählt.
Tyr ist Sohn einer Riesin namens Allgolden (der Personifizierung der Ozeane) und dem Riesen Hymir. Zum anderen gilt er als Sohn von Odin und Frigga und wäre somit ein Bruder von Baldr und Hödr.
Tyr gilt als der tapferste der Asen. Vor kriegerischen Auseinandersetzungen wurde sein Name angerufen.
Aber er ist kein Gott der blindwütigen, kampfeslüsternen Raserei, sondern der Gott des ehrenhaften Kampfes, der Strategie und der Geschicklichkeit. So ist er die Verkörperung des ehrwürdigen Kriegers.
Sein Atribut ist der Speer als Waffe und Rechtssymbol. Er soll mit dem sächsischen Stammesgott Saxnot identisch sein. Als dieser wäre sein Atribut das Kurzschwert „Sax“.
Seine größte Heldentat ist die Ankettung des Fenriswolfes, den die Götter
seiner Mutter nahmen um ihn zu zähmen, was aber nicht gelang. Kein anderer Gott traute sich an Fenris heran. Nur Tyr war als einziger der in Asgard ansässigen Götter kühn und stark genug und fütterte ihn und als Pfand legt er seine Hand bei der Ankettung des Wolfes in dessen Maul. Als Fenris sich nicht lösen konnte, biss er Tyr die Hand ab.
Einst entschieden die Götter, ein Fest zu halten, und sie wollten dass Ægir, Gott des Meeres, sie bewirten solle. Aber Ægir war darüber nicht begeistert. Er bestritt, einen so großen Kessel zu haben, der groß genug war, um Met für alle Götter zu brauen. Thor sollte einen geeigneten Kessel beschaffen. Keiner der Götter besass einen solch großen Kessel. Tyr erinnerte daran, dass sein Vater, der Riese Hymir, einen großen Kessel hatte, der eine Meile tief war. Aber die Götter wussten, dass sie Verschlagenheit anwenden müssten, um den Kessel von ihren Feinden, den Riesen zu erhalten.
Zu Ragnarök stellt sich Tyr dem Höllenhund Garm entgegen. Er tötet er den Garm, verblutet aber selbst an den im Kampf hingenommenen Wunden.
Es wird vermutet, dass Tyr einmal der höchste Gott war, länger herrschte als Odin und erst langsam mit Aufkommen des Odin-Kultes herabgesetzt, aber nie ganz verdrängt wurde. Tyr wurde quasi in Odins Weltbild eingebaut.
Nach Tyr sind in Dänemark, Schweden, Norwegen und England viele Orte benannt. An Tiuz erinnert auch das Wort deutsch (ahd. diutisc).
Tyr ähnelt dem indischen Dyaus und dem griechischen Zeus. Christliche Deutungen des Mittelalters identifizierten in Tyr den schwertkämpfenden Erzengel Michael.
Nach Tyr bzw. Ziu ist in ganz Nord-West-Europa der Dienstag als ziostag (ahd. Tag des Ziu; dänisch Tirsdag,; schwed. Tisdag,; engl Tuesday) benannt. Das englische Tuesday wurde von „Tiwazdaeg“ abgeleitet.
Die Rune Teiwaz ist die des Tyr.
Auch Pflanzen erinnern mit ihren Namen an den alten Gott: Eisenhut, Tysfolia oder Seidelbast (Kellerhals, dän. Tyvidir, Tyed, Tyswed, Daphne mezereum).
Ullr – Gott des Bogenschießens

Skilaufens, des Winters, der Jagd und des Todes. Er ist aber auch bekannt als Gott der Rechtsordnung und der Eide, Schutzgott des Zweikampfs, auch Ackerbau- und Weidegott. Er steht für Klarheit, Gerechtigkeit, Geschicklichkeit und Treffsicherheit. Er ist einer der Bewahrer des Thingfriedens und er ist der Herr der Eiben (der Baumart). Man nennt Ullr auch Schild-Ase, da das nordische Wort für Schneeschuh auch „Brett“ oder „Schild“ bedeutet. Im Volkslied findet wir ihn als Ritter Ulinger.
Ullr ist ein Sohn von Sif und einem unbekannten Eisriesen und somit ein Stiefsohn von Thor. Sein Wohnsitz heißt Ydalir (nord. „Eibental“; Edda, Grimnirlied, 5). Er verkörpert den Schwarzmond und ist schön von Angesicht und kriegerisch von Gestalt.
Ihm wird die Rune Eihwaz zugesprochen. Seine Attribute sind der Bogen, die Ski, die Eibe und ein Ring. Der Ring steht für die Eide, den er gilt auch als Gott der Eide. In Atlis-Lied hieß es Gudrun verflucht Atli bei „Odins Felsen und Ullers Ring“.
Bei SAXO ist er Ollerus, der auf einem Knochen, über den er Zauberformeln spricht, wie auf einem Schiff übers Meer fährt.
Nachdem ihre Verbindung mit dem Njörd gescheitert war, ging die Skadi eine zweite Ehe mit dem Ull ein.
Ull, den Krieger im Zweikampf anrufen, gilt als hervorragender Bogenschütze und guter Skifahrer, niemand kann sich mit ihm messen (Gylfaginning, 31). Zahlreiche Orte in Schweden und Norwegen sind nach ihm benannt.
Ullr fühlt sich, da er von den Eisriesen abstammt, während der gefürchteten Wintermonate am wohlsten.
Einer Legende nach soll Ullr, nach dem Odin die Rind verführt und damit seine Ehre befleckt hatte, sogar für einige Zeit dessen Platz eingenommen haben. Die Geschichte die zeitweiligen Verdrängung fällt vermutlich in den Zeitraum des Winters, denn Odin ist auch Totengot und Eis und Schnee bedeuten ja auch den Tod des pflanzlichen Wachstums. Also wurde geglaubt, dass Ullr im Winter die Herrschaft von Odin übernehmen würde.
Ullr wurde als zweitwichtigster Gott nach Odin, dem Göttervater, angesehen. Allerdings war er kein besonders gütiger Gott. Er brachte nur Eis, Kälte und Leid nach Midgard. So war er lange nicht so bekannt und beliebt wie Odin.
Amulette mit dem Konterfei des Ullr sind bei Schiläufern auch außerhalb Skandinaviens beliebte Glücksbringer. Eine Variante davon ist der Ullr mit Bild und Kompass in Geweihfassung und mit Lederband. Viele Ski-Clubs auf der ganzen Welt haben sich übrigens nach dem ULLR benannt.
Hier eine Abbildung eines solchen Glücksbringers.

Vali – Gott der Natur

Vali (Wali, Ali nord.) ist ein Naturgott aber er gilt auch als Rächergott, aber auch Frühlingsgott. Vali ist „kühn in der Schlacht und ein guter Schütze” (Gylfaginning, 30). Er wurde an einem „Westsaal” (Westen) geboren.
Vali gilt auch oft als Ali. Ali wird aber auch manchmal als eigenständiger Frülingsgott genannt.
Er ist ein Sohn des Odin, dem höchsten der Asen, und der Göttin Rind. Dies wurde Odin prophezeit und Rind musste sich gegen ihren Willen Odin beugen und mit ihm den Vali zeugen.
Vali soll an nur einem Tag zum Mann geworden sein.
Erst eine Nacht alt, wird er die Ermordung seines Halbbruders Baldur rächen und dessen versehentlichen Mörder, seinen blinden Halbbruder Hödur, töten.
Vali steht zusammen mit Vidar für die unsterbliche Kraft der Natur. Während Vidar die ruhige Kraft verkörpert, steht Vali für den unsterblichen Geist, das ewige Licht des Lebens, das innere Licht und die Macht, die alles in der Natur ernährt.
Vali wird gewöhnlich mit einem Bogen dargestellt. Damit kann er seine großartige, lebensspendende Macht überall auf Midgard verteilen.
Rinda im Westsaal
Wali gebiert:
nicht wäscht er die Hand, nicht kämmt er das Haar,
bis Balders Feind
auf dem Brandstoß liegt.
Edda, Balders Träume 11
oder
Baldurs Bruder war kaum geboren,
Als einsichtig Odins Erbe zum Kampf ging.
Die Hände nicht wusch er, das Haar nicht kämmt er,
Eh er zum Bühle trug Baldurs Töter.
Edda, Voluspa 37 u. 38
Var – Göttin der Treue

Var (War, Vara, Vör; nord. „die Vorsichtige” oder „Treuegelöbniss“) ist eine germanische Göttin der Treue, der Schwüre, der Verträge und Eide sowie der Ehe.
Sie ist die Aufseherin über Schwüre, Verträge und Eide. Sie nimmt an Hochzeiten teil, denn sie ist diejenige, die hören kann welche Eide und Versprechen sich Männer und Frauen geben. Var ist ebenfalls eine Dienerin von Frigga.
Es wurden meist Runenstäbe angefertigt um an die Eide oder Verträge zu erinnern. Es wurde oft über einen großen Holzring (Armring) geschworen.
Nichts entgeht Var, da sie eine äußerst vorsichtige Göttin ist. Sie nimmt alles wahr und es entgeht ihr nicht, wenn jemand einen Eid bricht.
Eidbrecher und Ehebrecher wurden von ihr hart bestraft.
Vidar – Gott des Waldes und der Natur

Vidar (Widar, Vidarr, nord. „der weithin Herrschende”) ist ein Natur- und Waldgott aber auch ein Rächergott. Er ist ein Sohn Odins und der Riesin Grirdr.
Seine Wohnung an einem stillen und friedlichen Ort heißt „Landwidi oder Widi“ und ist ein grüner, von Gesträuch und hohem Gras bewachsener Raum (Edda, Grimnirlied 17).
Er ist ein stiller und einsamer Gott. Vidar zeichnet sich dadurch aus, dass er so gut wie niemals spricht. So stellt er die reine Gewalt und ruhige Macht der Natur dar. Er wird als großer, freundlicher Mann dargestellt. Er ist nach Thor der stärkste der Asen.
Seine Markenzeichen sind seine großartige Kraft, sein Schwert und sein stabiler Schuhe, der vermutlich aus Eisen besteht.
Zu Ragnarök wird Vidar den Tod seines Vaters rächen. Er reißt dem Wolf Fenrir den Rachen auf und stößt ihn durch dessen Schlund ein Schwert in den Leib.
Oder aber Widar reißt dem Wolf seinen Rachen mitten entzwei (Edda, Wafthrudnirlied, 53).
Zur Rache wird Vidar sich zu Pferde begeben (Grimnirlied 17) und dabei seinen Geburts- oder Wohnort verlassen, nach den Verheerungen der Götterdämmerung wird er zusammen mit seinem Halbbruder Vali in der erneuerten Welt des Friedens herrschen
(Wafthrudnirlied, 51).
Vidar wird auch als „schweigsamer Ase” bezeichnet.
Vil & Ve – Schöpfer der Welt

Vil (Vili, nord. „Wille“) und Ve sind die beiden Brüder Odins. Ihre Eltern ist der Gott Bor und die Riesin Bestla. Der Großvater ist Buri, der allererste der Götter.
Zu Beginn der Schöpfung töten Odin, Vil und Ve gemeinsam den Urriesen Ymir. Aus seinem Leichnam machten sie die Welt, die die Leere (Ginnungagap) ausfüllte.
Aus einer am Strand gefundenen Esche machten sie daraufhin einen Mann (Askr) und aus einer Ulme eine Frau (Embla). Odin hauchte ihnen Leben ein, Vil gab ihnen Verstand und Gefühl (Bewegung) und Ve gab ihnen Gehör, Sprache und Antlitz (und warems Blut?). Dies war das erste Menschenpaar.
Als Odin einmal längere Zeit ausblieb, machten Vil und Ve Odins Frau Frigg zu ihrer gemeinsamen Frau, mußten aber verzichten, als der Hochgott zurückkam.
Siehe auch Lodur (Ve) & Hoenir (Vili).
Andere Asen
Gna
Gna ist ebenfalls eine Dienerin Friggas. Sie ist Friggas Botin und symbolisiert den Wind. Sie ist unheimlich schnell und berichtet Frigga über die Geschehnisse auf der Welt.
Siofn
Siofns Aufgabe ist, das kalte Herz eines unwilligen Liebhabers zum Schmelzen zu bringen und die Differenzen zwischen streitenden Ehepartnern aus dem Weg zu räumen.
Sigynn
Lokis Gemahlin wird oft auch zu den Asen gezählt, auch wenn sie keine Göttin ist.
Die Wanen

Wanen (Vanir, Vanen nord. „die Glänzenden”, „die Gewohnten”, „die heimischen Götter von Feld und Flur”) das zweite große Göttergeschlecht, eine ältere und kleinere Gruppe von meist Fruchtbarkeitsgottheiten, Schutzgottheiten der Bauern, Seefahrer und Fischer, die von der Göttin Nerthus stammen sollen.
Sie gelten als ältere, später von den kriegerischen Asen verdrängte skandinavische Gottheiten, friedliebende Naturgeister denen die Pflege von Feldern und Äckern oblag.
Wohnort der Vanen ist Vanaheimr (Wanenheim), das weit entfernt vom Sitz der Asen (Asgard) liegt. Sie gelten für weise und verständig und beherrschen den Zauber Seidr.
Ihrer Höchste waren die Mutter Erde und „die Gebieterin” Freyja mit den Beinamen Vanadis oder Matriarchin der Flur.
Bei den Wanen kommt die Geschwisterehe vor, wohingegen der Inzest bei den Asen als Blutschande angesehen wird. Durch Gullveig wecken sie in den Asen die Gier nach Reichtum, was zum Asen-Vanen-Krieg führt. Die Asen fingen die heilige Zauberin Gullveig und folterten sie. Beim Friedensschluß müssen die Wanen den Asen Freyr, Freyja sowie den Njörd als Pfand überlassen, zu ihnen gelangten von den asen Hoenir und Mimir. Zur Besiegelung ihres Friedensabkommens spucken die Asen und Wanen in einen Eimer, aus dieser Spucke entstand dann der weise Gott Kwasir.
Erst danach erkannten die Wanen dieses schlechte Geschäft und es erboste die Wanen. So schlugen sie Mimir den Kopf ab und sandten diesen nach Asgard. Der Krieg wurde dadurch zwar nicht wieder entfacht, doch es entstand ein Riss zwischen Asen und Wanen. Dadurch verloren die Wanen an Bedeutung.
Zwar galt seit Friedensschluß der asische Odin als höchster der Götter, aber die Wanen blieben in hohem Ansehen, viele behielten die Ehrfurcht vor ihren Zauberkräften. Alles Wissen, über das die Asen von nun an verfügten, stammte von ihnen.
Allgemein galten die Wanen für weiser als die Asen. Beispielsweise wird Heimdall ausdrücklich dafür gepriesen, dieser hellste der Asen sei weise wie die Wanen (Thrymsk., 15).
„Frey“ wurde in vielen Gegenden Skandinaviens von den Bauern und Handwerkern große Ehrerbietung erwiesen.
Die Wanen: Freyr, Freya, Njörd, Gefion, Kwasir, Gullveig und Nerthus.
Die Asen und Wanen werden gemeinsam bei Ragnarök (Götterdämmerung) gegen die bösen Mächte bekämpfen und ihren Untergang finden.
Anmerkung:
Leider konnte ich trotz ausführlicher Recherche keine weiteren Gottheiten des Wanengeschlechtes gefunden. Für Hinweise wäre ich sehr dankbar.